Schmerztherapie
Schmerzen sind international folgendermaßen definiert:
„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer tatsächlichen oder potenziellen Gewebeschädigung einhergeht oder einer solchen ähnelt.“
Wenn Sie unter chronischen Schmerzen leiden, haben Sie in der Regel bereits eine Reihe von Arztbesuchen mit Verordnung von (vielen) Medikamenten und bildgebenden Untersuchungen hinter sich, die nicht oder nur teilweise zum Erfolg geführt haben und manchmal auch ohne wirklichen krankhaften Befund ausgingen.
Für Patienten mit anhaltenden Schmerzen ist es dann sinnvoll eine spezielle schmerztherapeutische Behandlung durch spezialisierte Ärzte wahrzunehmen.
Spezielle Schmerztherapie
WAS BEDEUTET DAS GENAU?Die Behandlung im Sinne der „Speziellen Schmerztherapie“ richtet sich nach dem sog. „Bio-Psycho-Sozialen“-Modell von Gesundheit und Krankheit“, welches 1977 vom amerikanischen Internisten und Psychiater George L. Engel (1913–1999) aufgestellt wurde und eines der international anerkanntesten Krankheitsmodelle zur Behandlung chronischer Schmerzen darstellt.
Chronische Schmerzen, die auf Ihre gesamte Lebenssituation Einfluss nehmen können, werde ich als schmerztherapeutisch versierter Orthopäde und Unfallchirurg ganzheitlich erfassen. Die Therapie erfolgt angepasst an Ihre Beschwerden mit spezifischen Medikamenten und nicht-medikamentös, wobei die nicht-medikamentösen Methoden einen wesentlichen Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung darstellen. Die nicht-medikamentöse Therapie umfasst u.a. eine aktiv gestaltete Physiotherapie, das Erlernen von verschiedenen Techniken zur Aktivierung der körpereigenen Schmerzhemmsysteme und die „sprechende Medizin“ im Rahmen der sog. Schmerzedukation mit dem Ziel mehr über die Schmerzbiologie zu erfahren. Allein das Wissen über die Zusammenhänge und Entstehung von Schmerzen führt nachweislich im Verlauf zu einer Verringerung der Schmerzintensität. Auch das Aufnehmen einer angepassten Aktivität mit kontinuierlicher Durchführung von Eigenübungen ist ein zentraler Baustein der multimodalen Schmerztherapie.
Bei diesem Weg möchte ich Sie begleiten und Sie entsprechend unterstützen.
Wie gestaltet sich der Ablauf?
ANAMNESE & QUALITÄTSSICHERUNGÜblicherweise erfolgt eine Überweisung von Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt an eine spezielle schmerztherapeutische Praxis.
Vor dem ersten Besuch in der Praxis ist ein standardisierter Schmerzfragebogen auszufüllen, den Sie idealerweise in Ruhe und ohne Druck zu Hause bearbeiten. Es sind ebenfalls Fragen zu Ihrer Vorgeschichte und Situation zu dokumentieren, die es mir ermöglichen Ihre aktuelle Lebenslage und Ihr Befinden besser einschätzen zu können. Diese Erhebung ist wichtig, auch wenn ich Sie eventuell vieles persönlich noch einmal fragen werde, da diese Art der Dokumentation von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Rahmen der „Qualitätssicherung Schmerz“ vorgegeben ist, damit die Behandlungen von der Krankenkasse erstattet werden.
Das realistische Ziel einer schmerztherapeutischen Behandlung ist nicht eine Schmerzfreiheit zu erreichen, sondern Ihre Lebensqualität zu verbessern, individuelle Wege zu finden mit dem Schmerz besser zurechtzukommen und Ihre Beschwerden zu lindern. Dazu werde ich bei Ihrer ersten Vorstellung eine ausführliche Anamnese - Ihre Vorgeschichte - erheben und Sie untersuchen. Es ist wichtig und notwendig, dass Sie bereits extern erhobene schmerzbezogene Befunde (Arztbriefe etc.) mitbringen.
Schmerz ist nicht gleich Schmerz
UNTERSCHIED ZWISCHEN AKUTEM UND CHRONISCHEM SCHMERZAkuter Schmerz
Akute Schmerzen haben eine „natürliche“ (positive) Warnfunktion, die uns vor Schäden schützt. Sie alarmieren uns beispielsweise bei Gefahr und bewirken, dass wir unser Verhalten zu unserem Schutz ändern (z.B. Handzurückziehen an einem Dorn oder einer heißen Herdplatte). Akute Schmerzen verschwinden mit der auslösenden Ursache, oder nach Abheilen der auslösenden Entzündung, Versorgung eines Bruches, Schnittwunde etc. meistens vollständig.
Chronischer Schmerz
Der chronische Schmerz hat durch viele komplexe Prozesse im Körper seine Warnfunktion verloren und ist letztlich zu einer eigenständigen Erkrankung geworden.
Zeitlich gelten Schmerzen je nach Auffassung als chronisch, wenn sie trotz Behandlungsversuche länger als 6 Monate andauern, aber auch, wenn sie über die Heilung einer Verletzung weiterbestehen, obwohl eine sichtbare körperliche Heilung eingetreten ist. Eine genaue zeitliche Vorgabe kann man nur schwer definieren. Daher gelten nach derzeitigem Stand der Medizin alle Schmerzen als chronisch, deren Dauer über das Ausmaß einer akuten (frisch aufgetretenen) Ursache hinaus nicht nachvollziehbar lange anhalten.
Ebenfalls ist man sich in der Schmerzmedizin heute darüber einig, dass seelische „Verletzungen“ und einschneidende Lebensereignisse körperliche Schmerzen hervorrufen oder dazu beitragen können, auch, wenn keine „sichtbaren“ äußeren Verletzungen existieren. Oft äußeren sich diese Symptome erst viele Jahre später und werden dann auf körperliche Befunde übertragen. In diesem Falle ist es entscheidend bildgebende Verfahren (MRT, CT etc.) nicht überzubewerten, sondern exakt zu analysieren, ob der radiologische Befund auch zum klinischen Befund passt. Zudem können belastende Umstände im sozialen Umfeld, Sorgen, Ängste und Nöte auf Dauer zu körperlichen Beschwerden, auch Schmerzen, führen.